17.2.2019

Weg vom Vollgas im Leerlauf

Was da vor 750 Jahren empfohlen wurde, könnte heute als eine geistliche Manager-Empfehlung die Runde machen: „Nimm Eines nur, und da hinein ziehe alles Gute!“ Wer ist heute nicht am „Managen“, am Planen und Machen? Wir wissen alle, dass es die Zeitkrankheit Nr. 1 ist, keine Zeit zu haben. In unserem Alltag geht es überall um Totalbeschleunigung. Wir haben die große Angst, etwas zu versäumen.

Meister Eckhart, der Dominikaner und Mystiker, spürte offenbar vor über 750 Jahren bereits diesen modernen Un-Geist von Unruhe und Hektik – damals in Erfurt zu einer Zeit, als Verstädterung, Handel und Zinswesen stetig zunahmen.

Sein Plädoyer ist völlig einleuchtend: Mach eines richtig, das dann ganz, mit Leidenschaft und Konsequenz und Beharrlichkeit, ohne Ablenkung, ohne Fremdgehen. 

Ist es nicht eine Zumutung, dass ich mich als Mensch auf eines bescheiden soll? Auf eine Beziehung, eine Arbeit, eine Sache? Wohin mit meinem Hunger, wohin mit meiner Sehnsucht, wohin mit all meinen Träumen?

Meister Eckharts Antwort: „Mit Gott kann man nichts versäumen.“ Wohlgemerkt: mit Gott, mit nichts sonst, mit keinem anderen. Alles Leben ist von IHM umgriffen. Und daraus allein kann jene Gelassenheit wachsen, die uns so nottut. Meister Eckhart sieht genau darin die Gute Nachricht: Gott ist da, überall. Also lass dich darauf ein, Mensch. Mache es wie der Fisch, der im Wasser nicht ertrinken kann. Und wie der Vogel, der sich der ihn tragenden Luft anschmiegt. Sei in deinem Element, in Gott. Verabschiede diese verdammte Hektik, dieses „Vollgas im Leerlauf“. Dann läuft es im wohltemperierten Tempo. Wie steht in der Bibel? – „Wer glaubt, beschleunigt nicht!“ (Jes. 28,16 nach Martin Buber)

Mit guten Wünschen für die kommende Woche grüßt aus dem FORUM St. Peter

Klaus Hagedorn

 

 

 

 

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