19. Mai 2019

Ein  Zwischenruf: Die Sorge für das gemeinsame Haus

Aktuelle Informationen zum Klimawandel auf unserem Planeten sind in der Tat dramatisch. In absehbarer Zeit könnte uns allen die Luft ausgehen. Die Friday für Future-Demos vieler Schüler*innen machen darauf aufmerksam. Sie sollten unsere Unterstützung bekommen. Papst Franziskus hat für Oktober 2019 die sog. Amazonassynode nach Rom einberufen – eine Sonderversammlung von Bischöfen und Vertreter*innen der Völker Amazoniens. Wenn Amazonien die Lunge des Planeten Erde ist, wie oft dargelegt, dann leiden dieser Planet und seine Bewohner heute an einer akuten Lungenentzündung. Diese ist wie ein Spiegel, der weltweit die Notwendigkeit und Dringlichkeit eines sozialen und ökologischen Wandels anzeigt.

Es braucht die Sorge für das gemeinsame Haus, unsere Erde. Es braucht einen neuen Blick auf das würdige Leben aller Menschen, der heutigen und der zukünftigen, sowie auf den fehlenden Respekt vor den Grenzen unseres Planeten. „Das Klima ist ein gemeinschaftliches Gut von allen für alle. … Die Menschheit ist aufgerufen, sich der Notwendigkeit bewusst zu werden, Änderungen im Leben, in der Produktion und im Konsum vorzunehmen, um zumindest diese Erwärmung (des Klimasystems) oder zumindest die menschlichen Ursachen, die sie hervorrufen und verschärfen, zu bekämpfen.“ (Papst Franziskus, in: Laudato Si 23)

Der Kurs der Menschheit ist selbstmörderisch. Es ist ein Prozess im Gange, das Geschenk der Schöpfung zu verspielen, die nach christlicher Auffassung uns Menschen von Gott in Freiheit überlassen wurde.

Die Kernbotschaft des Papstes ist immer wieder neu, dass Armuts- und Umweltfragen zusammengehören. Milliarden Menschen leiden Not – und die natürlichen Lebensbedingungen für die kommenden Generationen sind äußerst gefährdet. Die Aufgabe der Kirche(n) ist, Armut und Umweltzerstörung als Zusammenhang zu denken und die Ursachen endlich entschieden anzugehen. Dabei sind es vor allem wir, die Menschen in den industrialisierten Ländern des Globalen Nordens, und die Wohlhabenden dieser Welt, die weit über dem Niveau leben, das die Erde aushält. „Diese Wirtschaft tötet“. Dieser viel diskutierte Satz von Franziskus ist ganz praktisch zu illustrieren: mit Blick auf die Erschöpfung des Fischbestandes speziell derjenigen, die vom handwerklichen Fischfang leben und nichts besitzen, um ihn zu ersetzen; mit Blick auf die Verschmutzung des Wassers, die die Ärmsten trifft, die keine Möglichkeit haben, abgefülltes Wasser zu kaufen; mit Blick auf den klimabedingten Anstieg des Meeresspiegels, der vor allem die verarmte Küstenbevölkerung im Globalen Süden trifft, die nichts hat, wohin sie umziehen könnte.

Wir sind aufgewachsen in einem Denken, dass wir die Eigentümer und Herrscher seien, berechtigt, unsere Erde auszuplündern. Wir vergessen, dass wir selber Erde sind. Unser Körper ist aus den Elementen des Planeten gebildet; seine Luft ist es, die uns Atem gibt, und sein Wasser belebt uns. Wir haben die Krankheitssymptome auf unserer Erde wahrzunehmen und brauchen dazu ein „hörendes“ Herz, offene Sinne und Kraft zum Widerstehen. Der Oster-Glaube daran, dass das Leben weitergeht, hat mit Aufstand für das Leben zu tun.

Aus dem FORUM grüßt Klaus Hagedorn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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