1. Dezember 2019

„Mehr recht als alle Finsternis“

 

In einem Weihnachtsgedicht von Karl Rahner, dem Jesuiten und einem der bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts, gibt es diesen wunderbaren Satz:

„Dann zünde getrost die Kerzen an, sie haben mehr recht als alle Finsternis.“

Der 1904 geborene Karl Rahner hat die Schrecken des ersten und zweiten Weltkriegs erlebt, das Aufkommen von radikalen Ideologien und die fundamentalen Umbrüche im Jesuitenorden und in der Kirche. In seiner Zeit hat sich die Welt für viele Menschen von ihrer finstersten Seite gezeigt. Hass und Gewalt, menschenverachtender Umgang im großen Miteinander der Völker und im kleinen Miteinander der Menschen, musste er erleben. Karl Rahner hat sich für den Dialog der Theologie mit den Naturwissenschaften und dem Marxismus eingesetzt. Er hat dabei aus den Erfahrungen der Exerzitien des Ignatius von Loyola gelebt, die ihn sein Leben lang begleitet haben. „Das Licht hat mehr recht als die Finsternis.“ Der Antrieb für sein großes Lebenswerk als theologischer Vordenker und menschliches Vorbild waren seine persönlichen Gotteserfahrungen, die er „transzendentale Erfahrungen“ nannte. Aus seinem Leben und seinen Schriften ist für mich dieser Gedanke wichtig, dass die Finsternis mit den Mitteln des Versandes und der Spiritualität zu durchdringen ist. Wir Menschen haben die Fähigkeit, aus der Dunkelheit herauszusteigen und dem Licht mehr Recht zu geben als der Finsternis. Es ist eine Gabe und eine eigene Entscheidung, die Kerzen anzuzünden und mit unserem Leben die Finsternis zu vertreiben.

In der Gemeinschaft die sie trägt, vielleicht in der Gemeinschaft der Kirche, wünsche ich Ihnen in dieser Adventszeit die Kraft des Glaubens und der Hoffnung.

Aus dem Forum St. Peter

Michael Heyer

 

 

 

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