FORUM ST. PETER in Oldenburg
Gedanken zur Woche

25.6.2017

Sich nicht verlaufen

„Beurteile dich selbst nach Belieben vor deinem Gott oder deinem geistlichen Begleiter, aber lass andere Leute in Ruhe.“

Im Alltag ist das ein schwieriges Unterfangen: sich selbst auszuhalten, aber nicht grübelnd, nicht selbst bespiegelnd, nicht vereinsamt nach dem Motto „Das mache ich mit mir alleine aus“. Christwerden heißt: im Gespräch sein mit Gott und mit erfahrenen Anderen. Sich selbst aushalten, zu sich selbst aufrichtig werden: nicht im leeren Selbstgespräch, sondern im Gebet und im Dialog mit anderen erfahrenen Menschen.

Die Alternative: Die größte Versuchung ist oft, mit anderen und über andere zu reden und vor sich selbst wegzulaufen. Wie groß ist die Gefahr, andere zu zensieren – positiv oder negativ? Wie alltäglich ist die Verlockung, schnell bei anderen vorbeizuschauen – symbolisch in Gedanken, in Phantasien oder real im Gerede mit und über andere? Der Franzose Blaise Pascal (1623-1662) notierte: „Alles Unglück kommt daher, dass es die Menschen nicht in ihren vier Wänden aushalten und ständig fremdgehen“. Und heutzutage werden dafür die digitalen Medien, das Fernsehen und die Informationsfluten genutzt.

 






Zwei Versuchungen suchen uns „heim“, denen es zu wehren gilt: Grübelei und Verfangensein in sich selbst hier, Gerede mit und über andere dort.

Genau den Weg dazwischen empfiehlt unser Weisheitsspruch: Gott in die Augen sehen -und in diesem Spiegel sich selbst–, und nicht einem Allerweltsgott, sondern dem Vater Jesu Christi. Man kann sich gar nicht wichtig genug nehmen, gar nicht aufmerksam genug betrachten und um Ehrlichkeit ringen – aber bitte nie für sich allein, sondern im Zwiegespräch zuerst mit Gott. Beten ist aller Mystik Anfang; ohne Gebet keine Christwerdung. Gerade im Gegenüber zu dem Gott, der uns sympathisch in Jesus begegnet, lerne ich, mich anzuschauen und auszuhalten. Denn von dort her schaut mich ein wohlwollender, gütiger Blick an – sonst nichts. Er macht mich frei, damit ich auch an der Befreiung anderer „arbeiten“ kann.

Härtetest wahrer Gottbegegnung und Selbstbegegnung ist der erfahrene Mitchrist als Begleiter auf dem Weg. Also wird empfohlen die Seelenführung. Ohne BergführerIN verlaufen wir uns oft im Gottesgebirge.

Aus dem FORUM gute Wünsche für die Ferienzeit und für alle „Berg“-Touren.

Klaus Hagedorn