FORUM ST. PETER in Oldenburg
Gedanken zur Woche

10.12.2017

„Selig seid ihr, wenn ihr lieben lernt“ (GL 458,2)

Lieben lernen: – Was ist damit gemeint?

Der Säugling liebt anders als der reif gewordene Erwachsene. Wer an der Mutterbrust gestillt wird, ist mit der Mutter symbiotisch verbunden. Erwachsen werden bedeutet immer: auf eigenen Füßen zu stehen, bedeutet Ablösung und Unterscheidung, heißt, die Quelle des Lebens im eigenen Leben und Wirken sprudeln lassen.  

Manche kommen aus dem Stadium nicht heraus, wo sie gestillt werden wollen und Er-Füllung suchen. Und sie greifen ein Leben lang zu „Flaschen“ – als Ersatz der Mutterbrust. Sie sind unfähig zu wahrer Liebe. Denn das bedeutet, sich auch selbst-los auf andere zu beziehen. Nicht ich und meine Befriedigung stehen da im Vordergrund, sondern das Du und meine Freude an diesem Du.

Ganz vergleichbar ist es mit der Beziehung zu Gott. Manche Menschen bleiben -geistlich besehen- Säuglinge. Sie lieben Gott wie jemanden, von dem sie kriegen, was sie brauchen. Gott soll Garant sein für mein äußeres Wohlergehen, für Erfolg, Position und Gesundheit – und wehe, er erfüllt diese Forderungen nicht. Dann ist der Christ im Kleinkind-Stadium so sauer wie der schreiende Säugling.





 




Wird dann Gott nicht unter der Hand zum Kleiderhaken für meine Bedürfnisse, zur Projektionsfigur meiner Sehnsüchte, zur Funktion meiner Ängste? Er wird dann gemacht zu einem ständig anzapfbaren Nothelfer-Gott: völlig verzweckt und eingebunden in meine Interessen.

Nicht: „Was habe ich von Dir“ ist die erste Frage in reif gewordener Liebe, sondern: „Wie gut, dass Du da bist!“ So missbrauchen wir nicht länger einander zur Lebenshilfe allein. Gott in solch erwachsener Weise zu lieben, das bedeutete: von sich, den eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen, vom Eigennutz absehen zu können und sich des Daseins Gottes zu freuen. Mehr noch: sich auch Gottes Erwartungen zu eigen zu machen.  

Gute Wünsche aus dem FORUM für die 2. Woche des Advents

Klaus Hagedorn