KW 38, 19. – 26.9.2021

Natalität – ich entstehe durch mein Sprechen und Handeln –

Als Impuls für diese Woche möchte ich an einen Gedanken von Hannah Arendt erinnern.
Als Antwort auf die Überlegungen vom „Sein zum Tode“ ihres Lehrers Heidegger, entwickelt H. Arendt den Gedanken vom „Sein zum Leben“.

Das Handeln und Sprechen des Menschen sind Tätigkeiten, in denen sich das „Geborenwerden“ des Menschen immer neu ereignet.

Wer ich als Mensch bin, kann ich selbst nicht sagen. Mein Menschsein zeigt sich dem Anderen in meinem Handeln und Sprechen. Wenn ich mich zurückziehe, werde ich nicht „geboren“. Ich „entstehe“ nicht im Modus der Passivität. Nur im Sprechen und Handeln entstehe ich in der Vorstellung der anderen. Das Fremde meines Lebens bekommt eine Form, auf die reagiert werden kann. Wer sich also isoliert und keinen Kontakt hat, der wird nicht „geboren“, verliert im „Sein zum Leben“ seine Identität.

Für H. Arendt ist die Eigenart eines Menschen für ihn selbst nicht fassbar, sondern nur „von hinten über die Schulter“, aus der Perspektive des anderen zu erfahren. Ich entstehe durch mein Handeln und mein Sprechen. Der Mensch wird also erst in der Begegnung, dem Sprechen und Handeln zu dem wer er ist. Eine Gemeinschaft, eine Gemeinde ist so nach Hannah Arendt für den Menschen existentiell notwendig.

Ich wünsche Ihnen in der Gemeinschaft, in der Sie leben, die Erfahrung des „Geborenwerdens“ – des „Lebens zum Sein“.

 

Aus dem Forum St. Peter

Michael Heyer